Schulte Schni1

Scharf auf Holz

Ein Taschenmesser ist ein praktisches Werkezeug, das Klein und Groß begleiten kann. Und basteln können auch beide damit. Astrid Schulte hat darüber das Buch „Meine Schnitzwerkstatt“ geschrieben. Darüber haben wir von BUSHCRAFT.AT mit ihr gesprochen. Und auch darüber, was sie selbst am liebsten bastelt und was Kinder mit dem Messer lernen.

Schulte  BirkeBUSHCRAFT.AT: Du hast ein Buch über das Schnitzen und Basteln mit Taschenmesser gemacht. Was machst du so damit?

Astrid Schulte: Du meinst mit dem Taschenmesser? 😉 Ich habe immer eines dabei, manchmal auch gleich mehrere, damit ich auf alle Stöcke vorbereitet bin. Mal brauche ich ein Survivalmesser (Martini) mit feststehender Klinge zum Holzspalten. Mal ein Schnitzmesser mit Hohleisen (von Flexcut) zum Löffel schnitzen. Dann wieder ein leichtes, scharfes Opinel, damit der Arm nicht ermüdet. Oder zum Sägen das Forester von Victorinox. Ich mache jede Menge Dinge mit den Messern, die ich mittlerweile besitze. Nach 40 Jahren Sammelleidenschaft habe ich um die 100 Messer. Angefangen beim Opinel über Herbertz und Böker bis hin zum Laguiole. Seit ich Schnitzkurse gebe, bekommen die Messer eine andere Bestimmung als nur in der Kiste zu liegen. In meinem Buch Meine Schnitzwerkstatt stelle ich Gegenstände und Spielsachen vor, die ich schon häufig mit Kindern in meinen Kursen geschnitzt habe. Sie sind kindgerecht angelegt, auch weil viele Erfahrungen mit ihnen eingeflossen sind. Kinder können mich in manchen Dingen tatsächlich belehren. 😉

Schulte SchnitzerkstattBUSHCRAFT.AT: Du arbeitest mit Opinel-Kindermessern. Warum? Was sind die Vorzüge von Opinel? Astrid: Ich schnitze in meinen Kursen, die ich Kindern anbiete, vor allem mit dem Opinel-Kindermesser. Das Messer ist leicht und liegt gut in der Kinderhand. Es ist zudem sehr scharf und hat einen Arretier-Ring, damit die Klinge zum Beispiel beim Daumendruck auf die stumpfe Klingenseite nicht zuklappt. Das Messer hat eine abgerundete Klinge, so dass Stichverletzungen vermieden werden können. Außerdem hat das Messer einen Holzgriff. Das finde ich besonders gut, weil das Greifen von Holz beruhigt. Das belegen Studien. Das Berühren von Kunststoff dagegen soll den Stress fördern. Warum also nicht schon beim Messer mit dem Halten von Holz anfangen. 😉

BUSHCRAFT.AT: Was lernen Kinder, wenn sie mit dem Messer umzugehen lernen?
Astrid: Kinder lernen neben dem Umgang mit dem Messer auch ein paar Regeln und die Schnitztechnik. Und: Schnitzen vermittelt unglaublich viele (lebens-)wichtige Dinge. Kinder schulen ihre Motorik und Fingerfertigkeiten, wenn sie Grünholz schnitzen. Sie stellen mit eigenen Händen etwas her, sie Begreifen durch Greifen, eben durch das haptische Erleben. So verstehen sie die Dinge besser. Kinder schulen ihre Wahrnehmung in punkto Material und Umwelt. Sie üben sich in Geduld und Achtsamkeit, lernen auf sich und andere zu achten. Schnitzende Kinder arbeiten früh und eher unbewusst an ihrer sozialen Kompetenz. Ganz einfach: Kinder wachsen am Schnitzen – vor allem in ihrem Selbstvertrauen. Zudem bedeutet mit Grünholz zu schnitzen auch, dass die Kinder wieder RAUS in die Natur müssen! Denn nur da gibt es die Stöcke, die zum Schnitzen benötigt werden. Die finden Kinder nicht im Kinderzimmer, der Ort, in dem ein Großteil der Eltern ihre Kinder am liebsten sehen, weil sie dort unter Kontrolle sind. Daher auch der Name Helikopter-Eltern. Das Kreisen ums Kinderzimmer ist viel einfacher, als den Überblick im Wald zu behalten. Das tolle am Schnitzen: Kinder machen über den Umgang mit dem Messer die Natur zu ihrem Spielplatz, den Wald zu ihrer Schnitzwerkstatt. Daher gehören Taschenmesser auch in Kinderhände.

Schulte FichteBUSHCRAFT.AT: Wenn Du nicht bastelst, welche Projekte machst du dann?
Astrid: Ich beziehe die Frage mal auf meine schnitzfreie Zeit: Da arbeite ich als Pressesprecherin hauptberuflich und gut ausgelastet bei einem Stadtwerk in der Nähe von Stuttgart. Die vielen Schnitz- und Naturerlebniskurse mit Kindern kommen mir als Ausgleich zum Bürojob gerade recht. Vielleicht gefällt den Kindern das Schnitzen mit mir, weil ich selbst so begeistert davon bin. Das merken die Kinder und machen sofort nach, was ich ihnen vorschlage. Meine Anleitungen (unter anderem im Buch) sollen sie zum Schnitzen animieren. Haben sie erst mal ein Messer in der Hand, lassen die Kinder ihrer eigenen Kreativität freien Lauf. Ich bin immer sehr erstaunt, was Kinder aus einem Weihnachtsbaum schnitzen: Regenschirm, Flieger oder Pinocchio, um nur ein paar Gegenstände zu nennen. Da muss auch ich erst genau hingucken, um zu erkennen, was im Stock steckt.

Schulte Lö3BUSHCRAFT.AT: Was bastelst/schnitzt Du selbst am liebsten?
Astrid: Mittlerweile habe ich so viele Dinge geschnitzt, dass ich gar nicht sagen kann, was ich am liebsten schnitze. Gehe ich durch den Wald, sehe ich immer einen Stock, aus dem was werden will. Ob das eine gefällte Birke ist, deren Rinde sich zum Falten von Becher und Schachtel oder als Füllerfeder eignet oder eine Linde mit sauberer Astgabel, aus der eine Fletsche werden will. Oder ein Stück Kiefernrinde: Aus ihr möchte ich immer und an jedem Bach tolle Boote schnitzen. Müsste ich ein Lieblingsholz benennen, wäre es Holunder. Ein mystischer Baum, der uns Menschen seit Urzeiten mit Heilmitteln und die Kinder mit Flöten-, Pusterohr-, Bootsplankenholz versorgt. Wenn ich so drüber rede, würde ich am liebsten gleich wieder in den Wald ziehen.

Das bin ich: Astrid Schulte

  • Astrid Schultegeboren 1967 in Dortmund
  • als Kind neben einem Bauernhof in der Nähe von Wald groß geworden
  • das erste Taschenmesser mit 6 Jahren bekommen, seitdem schnitzend
  • Messersammlerin seit der Kindheit
  • Baumbestimmerin seit der Jugend
  • Waldbesucherin wann immer es geht
  • diplomierte Raumplanerin (Landes-/Flächenplanung) / Uni Dortmund
  • Volontariat zur Redakteurin
  • bei Stadtwerken in der Öffentlichkeitsarbeit seit 1998
  • zertifizierte Naturpädagogin seit 2012 (Naturschule Freiburg)
  • Schnitz-+ Naturerlebniskurse seit 2012

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